Was haben wir nicht schon alles besprochen: Von legendären Achterbahnen und deren Technik, über True Crime Fälle im Freizeitpark, bis hin zu unseren #achtercast8-Rankings. Aber ein sehr wichtiges Element haben wir bisher nicht groß beachtet: In achtercast Folge 48 geht es um Rückhaltesysteme.

HIER ACHTERCAST FOLGE 48 HÖREN.

Vielleicht kennt ihr Rückhaltesysteme eher als Sicherheitsbügel – oder kurz Bügel. Die meisten Fahrattraktionen nutzen heute einen solchen Bügel, damit ihr sicher sitzt und die Fahrt trotz großer Fliehkräfte (G-Kräfte) genießen könnt. Je nach Form können Personen mit unterschiedlichstem Körperbau sicher gehalten werden.

Wir werfen einen genaueren Blick auf die verschiedenen Systeme und erläutern, was Sicherheitsbügel so sicher macht.

Übrigens: Die ersten Achterbahnen hatten keine Rückhaltevorrichtungen, waren aber im Vergleich zu modernen Fahrgeschäften zahm. Mit der Erfindung des Sicherheitsbügels konnten schnellere Achterbahnen mit extremeren Kräften gebaut werden.

achtercast Folge 48: Attraktionen ohne Bügel.

Kommen noch ohne Bügel aus: Raftings.

Es gibt Fahrgeschäfte, die auf ein Bügelsystem komplett verzichten. Hier stehen den Gästen meist bloß Haltegriffe zur Verfügung: Klassische Raftings & Wildwasserbahnen, Transportattraktionen (Züge, Monorails), 4D-Kinos (trotz beweglicher Sitze), manche Dark Rides (Geister Rikscha, Buzz Lightyear). 

Bei Fans beliebt: Attraktionen mit Beckenbügeln.

Beckenbügel statt Schulterbügel trotz Überschlägen: Hals-über-Kopf im Tripsdrill.

Beckenbügel geben den Fahrgästen ein sicheres Gefühl bei gleichzeitiger “Freiheit”. Sie hindern effektiv am aufstehen, ansonsten haben Fahrgäste aber ein Gefühl des normalen / freien Sitzens. Sie liegen eng an den Oberschenkeln und dem Becken an und werden von vielen Fans favorisiert. Mittlerweile kommen diese Bügel auch bei Achterbahnen mit Überschlägen vor.

Alternative: Gurt.

Gurte werden genutzt bei: Flying Theaters (Voletarium, Soarin), Flugsimulatoren, Tower of Terror oder auch dem Cars Dark Ride im DCA. 

Alternative: Stange.

Die Stangen liegen nicht eng am Körper an und sind teilweise für mehrere Personen einer Sitzreihe gleich, hindern aber am einfachen Aufstehen. Wird häufiger bei langsameren Dark Rides und Kinderachterbahnen eingesetzt – aber auch bei Vekoma Mine Trains und der Nessie im Hansa-Park von 1981, obwohl diese Achterbahnen einen Looping fährt.

Alternative: Rückenbügel

Eingesetzt auf Motorbike-Achterbahnen und Disk’O Coastern.

achtercast Folge 48: Hier kommen Schulterbügel.

Klassische Schulterbügel bei B&M.

Hierbei handelt es sich um einen starren Bügel, der von oben über den Kopf und Oberkörper gezogen wird. Wird bei Achterbahnen und Thrillrides – wie Free Falls – genutzt. Er hält den Oberkörper sicher aufrecht. Wenn die Bahn nicht rund läuft, schlägt hier aber schon mal der Kopf seitlich an. Außerdem sind starre Schulterbügel für große Menschen unbequem. 

Neue Version: Westen.

Mehrere Hersteller bieten neue Züge mit neuen Rückhaltesystemen (auch für bestehende Achterbahnen) an. Die Westen liegen eng am Körper an, sind dabei aber flexibel und damit oft bequemer als klassische Schulterbügel. Auch Kopfstöße sind damit ausgeschlossen.

Das macht Bügel bei Achterbahnen und Co. so sicher

“Normale” Parkgäste finden mitunter Schulterbügel gefühlt sicherer. Letztlich gibt es aber keinen Sicherheits-Unterschied zwischen Becken- und Schulterbügeln. Denn so funktionieren sie alle:

  • Rückhalteeinrichtungen nutzen immer mindestens zwei Verriegelungsmechanismen, um Redundanz zu gewährleisten (Taron hat z. B. drei). 
  • Die meisten Fahrgeschäfte verwenden relativ einfache mechanische Mittel zur Verriegelung von Becken- und Schulterbügeln. Die neuesten Systeme verwenden im Allgemeinen hydraulische Verriegelungssysteme.
    • Ihr erkennt den Unterschied daran, ob der Bügel beim Heranziehen klackt und in kleinen Stufen verriegelt (mechanisch mit Zahnrädern), oder dies geräuschlos und stufenlos möglich ist (hydraulisch).
    • Hydraulik: Nutzt Zylinder, die mit Öl gefüllt sind, da man Flüssigkeiten wenig bis gar nicht komprimieren kann.
    • Mechanische Systeme müssen mindestens zwei Rasten einhaken, hydraulische Systeme zeigen durch ein Licht an, ob der Bügel weit genug zu ist.
  • Öffnen lassen sich beide Systeme im Normalfall nur in der Station. Durch Mechanik (unter dem Zug) oder mit Strom, der Elektromagnete aktiviert. Dann kann die Flüssigkeit die Hydraulikzylinder wieder abfließen. Beides ist bei Evakuierung auch auf der Strecke möglich (z. B. mit Batterie oder manuell).
  • Fällt ein Mechanismus aus, bleibt die Rückhaltevorrichtung verriegelt. Manche Achterbahnen haben auch Sicherheitsgurte, die als sekundäre Sicherheitsvorrichtungen dienen können.

Schnelle Fakten zum Angeben vor Freunden.

  • Beckengurte wurden erstmals 1907 bei der Achterbahn Drop the Dip auf Coney Island eingesetzt.
  • Neuere Achterbahnen / Fahrgeschäfte können nicht starten, wenn noch ein Bügel geöffnet ist.
  • Bandit im Movie Park hatte bei Eröffnung andere Züge mit Hydraulik, die neuen haben das nicht und liegen auch tiefer.
  • Der Hersteller von Achterbahnen und Falltürmen, S&S Worldwide aus Utah, legt eine maximale Gewichtsbeschränkung von etwa 140 Kilogramm fest. D. h. bei Kräften von bis etwa 4G hält der Bügel bis 560 Kilogramm (der Spielraum ist sicher noch etwas höher).
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