16 Meter Höhe, Höchstgeschwindigkeit 50 km/h: Diese Facts allein entlocken dem typischen Achterbahn-Fan eigentlich nur ein müdes Lächeln. Doch auf diese Angaben darf man die ehemalige Achterbahn „Lethal Weapon Pursuit“ (später: „Cop Car Chase“) nicht reduzieren. Was die damalige Warner Bros. Movie World ab 1996 im Portfolio hatte, war ein echtes Unikat – eingebettet in eine Story mit passender Thematisierung und gespickt mit Spezialeffekten. Werft mit uns einen Blick zurück auf zehn Jahre Intamin Duelling Roller Coaster.

Der Anfang: „Lethal Weapon Pursuit – Die Achterbahn.“

„Lethal Weapon Pursuit“ startete zusammen mit dem Park 1996 in die erste Saison. Ganz nach dem Motto „Hollywood in Germany“ fanden Gäste hier nicht bloß eine Achterbahn vor. Angelehnt an die erfolgreiche Lethal Weapon-Filmreihe wollte man eine Story erzählen. Der erste duellierende Achterbahn in Europa war daher als Verfolgungsjagd mit amerikanischen Polizeiautos konzipiert. Dazu konnten die Gäste aus zwei ähnlich verlaufende Strecken – beide mit je zwei Überschlägen – wählen.

Doch zunächst wurden in einem Kino Filmausschnitte aus „Lethal Weapon“ präsentiert, um für die passende Stimmung bei der Verfolgungsjagd auf der Achterbahn zu sorgen. Verfolgt werden sollte übrigens der Fahrer eines roten Ferrari, der durch eine Industriehalle zu fliehen versuchte. Diesem begegnete man am Ende der Fahrt auch: Dort schoss besagtes Auto nämlich mit brennenden Reifen(!) über die Köpfe der Gäste hinweg.

Übrigens: Lethal Weapon Pursuit / Cop Car Chase hat einen Platz in Stefans Top-Achterbahnen-Ranking.

Lethal Weapon Pursuit: Achterbahn zeigt erste Ausfallerscheinungen.

Heute fährt hier niemand.

Klingt ganz schön spektakulär und das war es in den Anfangsjahren auch. Doch schon nach wenigen Jahren verschwand der beeindruckende Effekt mit dem brennenden Auto. Warum ist unklar – vermutlich waren hohe Kosten daran Schuld. Aber nicht nur daran merkte man langsam, dass die Anlage anspruchsvoll für Techniker und Geldbörse des Parks war: Oft fuhr in späteren Jahren nur eine der beiden Spuren, die Pre-Show im Kino wurde seltener gespielt und der Fahrkomfort sank. Die Achterbahn verteilte keine großartigen Schläge, allerdings fielen Vibrationen und eine allgemein raue Fahrweise mehr und mehr auf. Zunehmend wurde es zum Glücksspiel, ob die Bahnen – oder auch nur eine der Spuren – am Besuchstag öffnen würden.

„Cop Car Chase“ – neuer Name, neues Erlebnis?

2004 war das letzte Jahr für Warner Bros. Movie World. Doch hier endet die Geschichte nicht in einem „Lost-Park-Szenario“, wie beim Space Center oder CentrO Park, sondern markiert 2005 die Geburt vom Movie Park Germany

Das neue Logo 2005

Unter neuem Betreiber eröffnete der Park nun ohne Warner-Lizenzen und musste daher einige Attraktionen umgestalten. Bei „Lethal Weapon Pursuit“ wurde kurzerhand die Pre-Show im Kino gestrichen und fertig war „Cop Car Chase“. An der Fahrt änderte sich nichts: Mal gab es Flackerlicht im Looping, mal nicht. Mal gab es mehr und mal weniger Soundeffekte während der Fahrt. Mal war die eine Spur geöffnet, mal die andere.

Was dennoch keiner ahnte: Der Park stand vor einer großen Entscheidung.

Abreißen oder Renovieren?

Der TÜV machte Druck: In der Saison 2006 stand man vor der Entscheidung die Achterbahn kostspielig zu renovieren, oder sie abzureißen, um Platz für andere Sachen zu schaffen. Nach nur zehn Jahren in Betrieb? Wie konnte das passieren?

Hintergrund: Im Winter 1995/96 herrschten über längere Zeit tiefe Minustemperaturen. Der Zeitplan zur Eröffnung sollte aber gehalten werden und so goss man die Fundamente und errichtete die Bahn. Das führte aber dazu, dass die Strecken von „Lethal Weapon Pursuit“ unter große Spannung gerieten, wenn es draußen wärmer wurde. Jeder Sommer machte diesen Effekt schlimmer, bis schließlich Haarrisse im Stahl gefunden wurden. So darf eine Achterbahn natürlich nicht mehr öffnen.

Was bleibt, sind ein Haufen Stahl und schöne Erinnerungen.

Eine Reparatur der alten Wagen und der Stahlstruktur erschien für den Park unwirtschaftlich und man entschloss sich daher für den Abriss des ehemaligen Aushängeschildes. Mit Schneidbrennern wurden die Schienen und Stützen auseinandergeschnitten, die Thematisierung abgetragen.

Heute findet sich an gleicher Stelle der Themenbereich „Santa Monica Pier“ mit zahlreichen Attraktionen für Kinder und Familien. Der Platz, der frei wurde, war tatsächlich so groß, dass hier ein ganz neuer Bereich des Parks entstand.

Der „Santa Monica Pier“ trägt toll zu einer sommerlichen LA-Stimmung im Park bei, die einzigartige Achterbahn ging aber leider verloren.

Comments (3)
  1. Pingback: Roller Coaster: achtercast #throwback in Grand Canaria

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