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WarmUp 3 – Bitte nicht nach links gucken

WarmUp Nummer drei beginnt mit Streusalz in Berlin, was ungefähr genauso sinnvoll ist wie es klingt, aber von dort aus ist es nur ein kleiner gedanklicher Hüpfer zu Flying Theatern, verschwundenen Großprojekten am Ku'damm und der leisen Enttäuschung, dass wir offenbar doch nicht bald über Deutschland hinwegfliegen dürfen. Zumindest nicht im Sitzen, das sanft schaukelt und uns vorgaukelt, wir hätten gerade die Erdanziehung überwunden.

Denn diese Flying-Theater-Dinger haben es uns angetan. Dieses ruhige, geschmeidige Gleiten über Landschaften, bei dem man für ein paar Minuten vergisst, dass man eigentlich nur in einer Gondel hängt und auf eine sehr große Leinwand starrt. Im Europa Park funktioniert das erstaunlich gut, in Amsterdam auch, selbst in Seattle hat man das Gefühl, dass das hier alles irgendwie Sinn ergibt, bis man einmal zur Seite schaut und merkt, dass die Immersion ein sehr empfindliches Pflänzchen ist.

Und damit sind wir bei den guten alten Simulatoren der Neunziger, die noch nicht gleiten wollten, sondern rütteln, schütteln und einen im Zweifel kurz überlegen lassen haben, ob das Frühstück vielleicht eine schlechte Idee war. Galaxy im Phantasialand: Offene Kuppel mit viel Bewegung und noch mehr Illusion. Man wusste, dass man gerade nicht durch den Weltraum rast, aber wenn es gut gemacht war, hat man es sich für einen Moment trotzdem abkaufen lassen. Wenn es schlecht gemacht war, hat ein einziger Blick nach links gereicht, um alles wieder in seine Einzelteile zu zerlegen.

In Bottrop im Movie Park lebt dieses Prinzip noch weiter, inzwischen mit neuen Sitzen und der stillen Erkenntnis, dass solche Attraktionen vor allem eins sind: Menschenmagneten für Innenräume. Sie holen Leute von der Straße, aus Warteschlangen, aus dem Gedränge und manchmal reicht das als Daseinszweck schon aus. Dass man sich dabei ein bisschen durchschütteln lässt, ist fast Nebensache.

Und dann gibt es die Version, bei der man sich durch Vorschauräume kämpft, sich die Lebensgeschichte von Herrn Ferrari anhört, minutenlang in Fluren steht und irgendwann realisiert, dass man gerade sehr viel Zeit investiert, um am Ende eine ziemlich solide Werbeveranstaltung zu erleben. Auch das gehört zur Flying-Simulator-Welt. Nicht jede Illusion ist gleichwertig.

Am Ende bleibt dieses schöne Paradox: Wir wissen genau, wie das alles funktioniert. Wir wissen, dass wir nicht fliegen. Und trotzdem setzen wir uns rein, schnallen uns an, hoffen auf die Mittelgondel und sind kurz beleidigt, wenn wir ganz außen sitzen und die Leinwand endet.

WarmUp Nummer drei also als kleine Erinnerung daran, dass Immersion nicht nur Technik ist, sondern Bereitschaft. Und dass wir offenbar immer noch bereit sind.

Nächste Woche fliegen wir vielleicht wieder. Oder wir reden einfach drüber.

WarmUp 2 – Ansage an Brühl

WarmUp Nummer zwei startet völlig unspektakulär mit einem Geräusch: Mit diesem ganz bestimmten Looping-Knattern von Nessie, das man entweder sofort erkennt oder überhaupt nicht versteht, warum zwei erwachsene Männer darüber mehrere Minuten sprechen können. Und natürlich sind wir von da aus innerhalb kürzester Zeit beim Hamburger Dom, bei Schwarzkopf-Gerüchten und bei der ernstgemeinten Frage, warum man eine große reisende Achterbahn nicht einfach für immer auf dem Heiligengeistfeld stehen lassen kann, wenn Platz und Autobahnanschluss doch eigentlich da sind.

Dann wird es weniger nostalgisch und ein bisschen realer, denn Winter im Phantasialand bedeutet inzwischen nicht mehr „entspanntes Lichtergucken“, sondern Wartezeiten, die sich anfühlen wie ein eigener Programmpunkt. 90 Minuten sind da kein Ausreißer, sondern eher ein Einstieg, und wer an so einem Tag glaubt, man könnte sich eine vollständige Liste an Attraktionen abarbeiten, der merkt relativ schnell, dass das mathematisch einfach nicht aufgeht.

Und genau da kommt dieses Thema wieder hoch, über das wir vor ein paar Jahren noch sehr klar gesprochen haben: Quickpässe. Drängelpässe. Express-Systeme. Früher waren wir da sehr eindeutig unterwegs, gleiches Recht für alle, Warten gehört dazu, das ist Teil der Experience. Und jetzt sitzt man da, ist nur einen Tag im Park, merkt, dass man sonst vielleicht zwei Bahnen schafft, zahlt 12 Euro extra und steht exakt eine Minute an. Während andere 120 Minuten warten.

Man merkt beim Sprechen selbst, wie sich die eigene Haltung verschiebt. In manchen Parks fühlt sich das noch halbwegs ausgewogen an, in anderen wirkt es eher so, als würde man ohne Zusatzpaket gar nicht mehr richtig teilnehmen dürfen. Und natürlich weiß man, dass das wirtschaftlich Sinn ergibt, dass Parks damit kalkulieren und dass am Ende trotzdem alle Tickets verkauft werden.

Dazwischen geht es noch um Parkplatzpreise, um Budgetaktionen und um die Frage, wie voll ein Park eigentlich werden darf, bevor es sich irgendwann nicht mehr gut anfühlt.

Am Ende steht dieses Gefühl, dass man selbst nicht ganz unschuldig ist und es beim nächsten Mal wahrscheinlich wieder genauso machen würde.

WarmUp 1 – Völlig unverfroren

Achtercast, im Februar 2026 erst mal wieder da, befindet sich trotzdem noch im mentalen Zustand „Jacke anlassen“. Warum? Weil das Jahr zwar schon läuft, aber gefühlt noch niemand so richtig angekommen ist. Und weil man nicht einfach nach Monaten Funkstille wieder reinplatzt und so tut, als wäre nichts gewesen. Das hier ist ein Warm-up. Dehnen, locker werden, erst mal hören, ob noch alle da sind.

Was war los?

Zu viel Arbeit, zu wenig Freizeitpark. Ein Kalender, der schneller voll war als jede Warteschlange im Hochsommer. Micha war gefühlt ein halbes Jahr raus aus der Parkwelt, Stefan immerhin sporadisch unterwegs. Der letzte große Ausreißer: Disneyland Paris. Danach kam… nicht mehr viel. Als hätte der Freizeitpark-Gott gesagt: Reicht jetzt auch erst mal.

Während draußen grauer Januar herrscht und manche Parks noch tapfer Weihnachtsbeleuchtung spazieren fahren, stellt sich drinnen die große Frage:
Wintertraum – oder doch eher Winter-Albtraum?
Warum ist eigentlich alles voll? Warum ist alles eng? Und warum hört man in NRW-Radios morgens zuverlässig von kilometerlangen Staus „vor dem Freizeitpark“?

Was sonst noch passiert:
Jahreskarten werden diskutiert wie Lebensentscheidungen. Plastik vs. Wallet. Haben vs. rechtfertigen. Brauchen vs. „als Parkfan MUSS man doch“. Der Hansa-Park klopft leise an, der Heide Park sorgt zuverlässig für emotionale Altlasten, und irgendwo dazwischen steht Merlin und verschenkt gefühlt Jahreskarten wie andere Rabattcodes.

Natürlich geht’s auch wieder um Parks, die könnten, aber nicht wollen. Um Thematisierung, die später kommt. Um Attraktionen, die schon fahren, während drumherum noch Beton atmet. Und um die ewige Erkenntnis: Man lästert nicht aus Hass, sondern aus enttäuschter Liebe.

Kurz gesagt:
Wir sind zurück.
Vier Wochen Warm-up. Nächste Woche geht’s weiter.
Die Ohren sind schon mal auf Betriebstemperatur.

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